Kennst du deinen Beckenboden?

Hast du schon mal über den Beckenboden nachgedacht?

Wenn ja, vor oder nach einer Schwangerschaft?

Oder hast du Probleme mit der Blase oder Urin halten?

Hast du solche Probleme vielleicht auch ohne Schwangerschaft aufgrund der Wechseljahre oder anderer Auslöser?

Viele Fragen, die nicht nur ich dir stelle, sondern du dir vielleicht auch selbst.

 

Wann hast du das erste Mal über deinen Beckenboden nachgedacht?

Weil dir nach der Schwangerschaft gesagt wurde, dass du jetzt deinen Beckenboden trainieren sollst? Oder, dass du an Rückbildung denken mußt?

Gerade dann, wenn du sowieso in einer völlig neuen Lebenssituation bist, egal ob mit dem ersten oder einem weiteren Kind und noch soviel Neues passiert, bleibt dir dafür eher wenig Zeit und Kopf.

Du hast bestimmt von der Physio oder der Hebamme im Krankenhaus oder Zuhause gezeigt bekommen, was du machen mußt, damit dein Beckenboden trainiert wird - in den ersten Tagen, wenn schon sowieso so viel auf dich einstürmt.

Aber so richtig weißt du nicht, wo er sitzt, wie er arbeitet und warum er doch so wichtig ist.

 

 

Und wen sollst du dazu befragen?

 

Ich arbeite seit 2003 in meiner Praxis mit Frauen nach der Schwangerschaft und erkläre ihnen den Beckenboden, so dass sie ihn verstehen. Und damit auch du diese Möglichkeit hast, schreibe ich jetzt hier für dich darüber.

 

Fangen wir mal an!

Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe. Da heißt er arbeitet erstmal wie jeder andere Muskel auch und läßt sich damit auch trainieren fast wie jeder andere Muskel auch und das während des ganzen Lebens!

Muskeln bestehen aus Muskelfasern, die sich bei Aktivität ineinander schieben und den Muskel kürzer und dicker werden lassen. Und zwar immer auf seinem kürzesten Weg. Deswegen ist es gut zu wissen, wo die Beckenbodenmuskeln sind.

 

Die Muskelgruppe Beckenboden liegt im Körper quer von Seite zu Seite bzw. von vorne nach hinten. Und nicht wie die meisten anderen Muskeln von oben nach unten. 

Wieso von vorne nach hinten und von Seite zu Seite?

Nun, er besteht aus drei Schichten, die entweder von vorne nach hinten (äußere und innere Schicht) oder von Seite zu Seite (mittlere Schicht) verlaufen. Durch die unterschiedlichen Richtungen ergibt sich eine Art Flechtprinzip, das viel stabiler ist, als wenn alle Schichten nur in eine Richtung verlaufen.

Kennst du vielleicht von den Stühlen mit geflochtener Sitzfläche wie z.B. in einer Taverne. 

Geschickt gelöst! ;-)

 

Um dir ein paar grafische Darstellungen anzusehen für die bessere Vorstellung klicke hier

 

Diese drei Schichten ergeben eine Art Muskelplatte, die, wenn sie gut trainiert ist, eine Art kräftige nicht hau dicke "Platte" unten innen im Rumpf ist. Übrigens bei Männern wie auch bei Frauen. Frauen sind allerdings nach unten offen - damit sie ein Kind gebären können.

Diese "Platte" ist zum einen dazu gedacht, den Bauchinhalt zu tragen. Zum anderen aber auch, um der Wirbelsäule eine Basis zu geben, damit sie einen guten Stand hat. Dadurch können dann die großen und kleinen Muskeln der Wirbelsäule das tun, wofür sie gedacht sind, nämlich die Wirbelsäule bewegen.

Ist der Beckenboden nicht so stabil und damit die Stützfläche nicht kräftig genug, drückt einmal der Bauchinhalt nach unten. Aber auch hat die Wirbelsäule keinen guten Stand und somit werden die großen und kleinen Muskeln um die Wirbelsäule eher zum Halten statt zum Bewegen genutzt. Dadurch werden sie eher verspannt und dann entstehen Schmerzen in dieser Muskulatur. Da sie vom Kopf über den ganzen Rücken bis zum Beckenrand verlaufen, kann es dann eben Schmerzen vom Kopf bis zum unteren Rücken geben. Zusätzlich eben auch, weil deine Bauchmuskulatur noch nicht wieder die Kraft hat, von vorn mitzuhelfen. Mußte sie sich doch besonders in den letzten Wochen ganz weit nach vorne dehnen, damit das Baby Platz hatte.

 

Dann kommt noch dazu, dass durch die drei Schichten des Beckenbodens die Gänge des Darms, der Scheide und der Blase laufen. Am besten stellst du dir diese drei Gänge wie Strohhalme vor, die durch diese Muskelschichten laufen. Je besser die Muskelgruppe Beckenboden arbeitet, desto mehr kann sie diese drei Gänge zudrücken und auch zugedrückt halten.

Doch da während der Schwangerschaft das ganze Gewicht der Gebärmutter, des Fruchtwassers, des Kindes und der inneren Organe auf diesen Beckenboden gedrückt haben und das 24/7, ist dieser Muskelbereich etwas ermüdet. Beim einen mehr , beim anderen weniger. Natürlich auch abhängig von der Entbindungsart, -dauer und evtl. -verletzung.

 

Es ist wichtig zu wissen, dass Muskulatur, die nicht in ihrem vollen Ausmaß genutzt wird, innerhalb von zwei Wochen in ihrer Kraft nachläßt. d.h. nicht, dass sie lasch wird, aber sie "vergißt" quasi, wie sie maximal arbeiten kann. 

Und leider braucht sie deutlich länger, um diese Erinnerung und die damit verbundenen Arbeitsfähigkeit wieder aufzubauen. Doof, aber ist bei jedem so!

 

Noch dazu ist der Mensch unbewußt so gestrickt, dass er Körperbereiche, die unangenehm belastet waren - und so kann man eine Entbindung ja durchaus nennen - aus dem Bewusstsein ausblendet und nicht so leicht zugänglich macht.

Daher kommt in meinen Rückbildungskursen immer wieder die Aussage: "Ich weiß nicht, ob ich den Beckenboden wirklich habe!"

Kenne ich auch von mir nach meinen beiden Schwangerschaften. Aber mit etwas Geduld und Übung kommt alles wieder.

Weil das aber eben so ist und wir IMMER nach der kräftigen Muskelspannung suchen, behelfen wir uns gerne über Anspannung des Pos. 

Ich weiß, es gibt viele Kolleg*innen, die das fordern oder sagen, dass das wichtig ist. Doch ich bin anderer Meinung.

 

Warum?

Der Körper geht immer den Weg des geringsten Widerstandes und der einfachsten Art. Und das hat zur Folge, dass der Po super arbeitet, aber der Beckenboden leider nicht in seinem Optimum.

Das Gleiche gilt übrigens für "Hochziehen".

Will heißen, Po anspannen und Damm einziehen bis gefühlt zum Kopf ist zwar Muskelarbeit, aber leider nicht ausreichend im Beckenboden.

Auch hier scheiden sich die Geister. Doch wenn du dir nochmal anschaust, was ich oben geschrieben habe zu Muskelarbeit (kürzer & dicker auf seinem kürzesten Weg) und Lage des Beckenbodens (hptsl. quer), dann ist es logisch, dass da wenig bis garnichts Richtung Kopf zieht.

Ja, ich weiß ein gewisser Anteil des inneren Beckenbodenanteils verläuft aufwärts. Doch der wird über die innere Bauchmuskulatur mit angesteuert und ist auch nicht an der Hauptarbeit, nämlich dem Zudrücken der drei Gänge beteiligt.

Rein physikalisch betrachtet - ist nicht jedermanns bzw. -fraus Leidenschaft ;-) - kann der Muskel in seiner Hauptarbeit nur von vorn nach hinten oder umgekehrt oder von Seite zu Seite arbeiten.

Und mit dieser Überlegung habe ich die besten Erfolge seit 2003.

 

Ich verfolge außerdem noch die Idee, dass der Körper doch ursprünglich ohne große Denkarbeit weiß, wie er den Beckenboden mit einbezieht. Dieses aber durch bestimmte Belastungen verliert (Weg des geringsten Widerstandes usw.) wir aber durch das bewußte Arbeiten daran, das Unbewußte soweit schulen können, dass es nach einiger Zeit weitestgehend wieder alleine funktioniert. Denn es kann nicht der Sinn sein, den Rest des Lebens mit dem Satz "Ich muß meinen Beckenboden mit einbeziehen!" im Kopf rumzulaufen.

Ja, ich gebe zu, nach Schwangerschaften und ein paar anderen Dingen müssen wir immer wieder mal nachfassen. Aber nicht jeden Tag!

Und aus meiner Berufserfahrung als Physiotherapeutin seit 1987 kann ich sagen, je besser jemand weiß, wo seine Problemzone liegt und wie sie arbeitet, umso besser kann er / sie dauerhaft und selbständig damit umgehen. Und das ist mein Ziel!

 

So, jetzt weißt du, wo dein Beckenboden sitzt, wie er arbeitet und was mein Ziel ist!

Und in meinem nächsten Blog-Artikel erzähle ich dir dann,  wie du den Beckenboden mit einer kleinen Übung in deinen Alltag einbauen kannst.

 

Bis dahin! Viele Grüße Martina

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Naturheilpraxis Körpersinn

Martina Lohan, HP & KG

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